Cellesche Zeitung, Mittwoch 20.April 2005
Zwischen Witz und surrealem Schweifen: Hommage an die „Comedian Harmonists“
„planet harmony“ wandelt mit Lockerheit und Frische durch die 20er Jahre
von Rolf-Dieter Diehl
Lachendorf . Es fehlte nur das Knistern der alten Schellack-Platten, dann wäre die Illusion perfekt gewesen. Die Gäste des Kulturkreises Lachendorf erlebten im Forum der Realschule Lachendorf eine nostalgisch schöne Atmosphäre, in der fein nuancierte Vorkriegstöne mal zu, gebannter Stille, mal zu vergnügtem Gelächter hinrissen.
Das neue Programm der „planet harmony“ ist eine Hommage an die „Comedian Harmonists“. Doch die Tenöre Wolfgang Kaiser, Gerhardt Rothfuchs, Kurt Marquardt, und Leonard Skelton sowie Bariton Tilman Baruth und Bass Gerd Büthe, alle aus dem Nordkreis Celle, sind keineswegs nur eine Kopie ihrer Vorbilder. Sie wandeln mit derart großer Lockerheit und Frische durch das Repertoire, dass auch stark beanspruchte Evergreens wie „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ unverbraucht klingen.
Sechs Sänger und ein perlend leichtes Klavier, an dem die Hamburger Pianistin Iris Paiska die Stimmen untermalt, die für Laune sorgen: Sie paarten die Gesten gepflegten Gesangs mit Understatement aus gut dosierter Komik und unterhielten mit Timing und Taktgefühl.
Zwischen Elegie, Eleganz und witzigen Exkursen wird der Abend von Duke Ellingtons „Creole Love Call“ über „Veronikas Lenz“ und den hinreißenden „Guten Mond“ bis hin zu „Wochenend und Sonnenschein“ zur anspruchsvollen Kurzweil. Und die leisen Interpretationen bekannter Volkslieder bilden dazwischen wunderschöne Ruhepunkte. Zauberische Klavierklänge untermalen die Verse, und Iris Paiska, der auch die künstlerische Leitung obliegt, lässt sich mit vortrefflichen Gespür ein auf das Oszillieren zwischen Witz und surrealem Schweifen.
Was „planet harmony“ von anderen Männergesangsgruppen unterscheidet, ist vor allem ihr sorgfältig in Regie gesetztes komödiantisches Talent. Auch die wechselnde Conference sprüht vor Witz und ironischem Charme, und die Parodien werfen einen analytischen Blick auf die inhaltlichen Fantasien, die in ihren Texten aufscheinen. Das Ensemble versteht es, mit qualitätsvollem Gesang und virtuoser Klavierbegleitung den Kitsch von einst in lustvoll dargebotene Kunst zu verwandeln. Wie sie den trivialen Schlagern mit ihrer Verve jede Tümelei und Sentimentalität austreiben, das reißt zu Begeisterungsstürmen hin. So sticht denn „Der kleine grüne Kaktus“ am Ende noch mal so schön. |